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Grenzerfahrungen
Während meiner Zivildienstzeit habe ich 18 Monate mit Alkohol- und Drogenkranken gelebt und gearbeitet. Wenn jugendliche Drogenkonsumenten das gesehen hätten, was ich gesehen habe, die Gespräche geführt hätten, die ich geführt habe, dann würden sie merken, dass es nicht cool ist, sich ins Koma zu trinken oder zu kiffen, sondern einfach nur dumm.
Die Menschen, die ich während meiner Zivildienstzeit kennen gelernt habe, hatten alle mal ein normales Leben. Dann passierte ein persönliches Unglück, und die einzige Lösung, die diese Menschen sahen, waren die Drogen, um mit dem Schmerz und Leid leben zu können. Mit jedem Rausch im früheren Leben, sind sie dieser Lösungsstrategie etwas näher gekommen.
Es gibt aber Erfahrungen, auch Grenzerfahrungen, die den Menschen stärken und nicht schwächen. Auf Trekkingtouren, wie wir sie seit einigen Jahren machen, kommen die Jugendlichen an ihre Grenzen: an Schmerz- oder Leistungsgrenzen. Es geht dann darum, diese zu erfahren und manchmal auch zu überwinden. Hier ist die Gruppe dann ganz entscheidend. Die Jugendlichen lernen, nicht aufzugeben, durchzuhalten, zu helfen und Hilfe anzunehmen. Diese Erfahrungen können sie im Leben stärken.
DSC05446Leider mussten wir in den letzten beiden Jahren zwei Touren abbrechen – mussten also auch irgendwie aufgeben. Jedoch war es kein Aufgeben im Sinne einer Kapitulation, sondern es gab beide Male äußere Umstände, die uns dazu zwangen.
Im letzten Sommer mussten wir mit 5 Jugendlichen in der Nacht ins Krankenhaus. Das war nicht einfach, da wir im Wald in einer Höhle schliefen. Für mich war das eine schwierige Grenzerfahrung, die ich nicht nochmal erleben möchte. Als ich dann noch erfuhr, dass im Schwarzwald eine Gruppe junger Wanderer im Lager von einem Baum erschlagen wurde, dachte ich darüber nach, solche Touren nicht mehr mit Schülern zu machen. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mir hier Mut zugesprochen haben. Insbesondere bei einer Ärztin aus Freudenstadt, die auf meinen Artikel reagierte.
DSC05555Da es bei unseren Touren auch immer darum geht, keinen zurückzulassen und nicht aufzugeben, regte sich der Wunsch, die Touren noch in diesem Jahr zu beenden. Vor allem für unsere Abiturienten war mir das wichtig. Einer von ihnen ist knapp 600 km mit uns gewandert, andere ca. 350 km.
So fuhren wir an Himmelfahrt nach Waldshut, um die restlichen 20 km des Mittelwegs im leichten Dauerregen zu absolvieren. Am folgenden Samstag fuhren wir in der Nacht nach Pirna in Sachsen – genauer nach Thürmsdorf. Wir begannen die letzte Etappe des Malerwegs in der Höhle, in der letztes Jahr alles endete. Nach einer herrlichen Wanderung im schönen Elbsandsteingebirge in Pirna angekommen, fuhren wir dann mit dem Bus nach Flöha (Sachsen) und konnten bei Freunden in der Pomselschänke übernachten.
Ich möchte mich bei den Wirten der Pomselschänke für ihre Gastfreundschaft und die fürstliche Bewirtung bedanken. Die Jugendlichen würden jederzeit gerne wieder zu euch kommen – auch wenn wir dafür 7 Stunden fahren müssen. Herzlichen Dank auch an Herrn Schlör und die Firma Alpirsbacher Klosterbräu, die unsere Aktion so toll fanden, dass sie uns den Bus spendierten.
DSC05610Was mich motiviert weiter zu machen, sind unter anderem die Beobachtungen dieser letzten beiden Touren: Die Jugendlichen schwelgten manchmal in Erinnerungen wie es sonst nur die Alten tun.
Diese Jahr geht es mit neuer Besetzung wieder in den Schwarzwald. Wir wollen den "Zweitälersteig" machen. Wenn du ein Keplerschüler bist, und dich angesprochen fühlst, dann komm auf mich zu. Wir haben noch ein paar Plätze frei. Die Tour startet gleich am Donnerstag nach der Zeugnisausgabe in den Sommerferien. Wir werden 5 Tage unterwegs sein.
 
 
Ruben Pallesche